Netzneutralität – was ist das und was passiert ohne sie?

Vor einem Monat stimmte das Europaparlament für einen halbherzigen Kompromiss zur Netzneutralität

Bisher war das Internet von seiner Struktur her so ausgelegt, das in diesem Medium jedes Datenpaket gleich behandelt wurde. Es gab das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.
Das funktioniert auch solange gut, wie die Leitung nicht überlastet ist. Dann kann es passieren, das einzelne Datenpakete in der Warteschlange ganz hinten liegen und dann runterfallen. Das Ergebnis: Die Information ist nicht abrufbar.
Bei einer ausreichend „dicken“ Leitung passiert das aber höchst selten.

Nun hat das Europäische Parlament verabschiedet, das sogenannte „Spezialdienste“ im Netz bevorzugt behandelt werden dürfen. 
Was bedeutet das? 

Diejenigen Inhalteanbieter, welche für einen „Spezialdienst“ bei dem Provider / Carrier extra bezahlen, werden bei der Paketverteilung bevorzugt behandelt. Das führt bei einer höheren Belastung der Leitung dazu, das andere Pakete hinten runter fallen.
Kleinere Inhalteanbieter können ihre Informationen nicht mehr verteilen. Die großen Player des Internets bekommen eine Überholspur und auf der rechten Spur kommt es zum Stau.

Die großen Player unter den Providern können zudem doppelt abkassieren, einmal bei den Endkunden, ein zweites mal bei den großen Inhalteanbietern. Dies führt zu Verzerrungen im Markt um die Leitung. Kleinere Provider werden von dem 1. Kuchen wenig abbekommen.

Gleiches gilt für die Inhalteanbieter. Kleinere Unternehmen und Startups können sich die Überholspur nicht leisten, die großen Player können ihre Vormachtstellung auf dem Markt weiter ausbauen.

Doch wie konnte es passieren, das genau das im EU-Parlament beschlossen wird? Ist es doch ein höchst verbraucher-unfreundliches Gesetz. Hätte man hier nicht die Netzneutralität fest in einem Gesetz einzementieren sollen, anstatt Hintertüren zu schaffen?

Offensichtlich haben die großen Player der Branche die Hintertüren der Parlamentarier so oft eingetreten, das diese irgendwann genug hatten. Argumente für eine ausnahmslose Netzneutralität wurden leider überhört. Vielleicht fehlte auch einfach den Verbrauchern die Lobby, dabei werden die Parlamentarier doch von genau Diesen gewählt.