Computer? Das kann ich auch! Senioren berichten über ihre Erfahrungen

(Bild und Text von Gerd Hohage aus der Kreuztaler Seniorenpost Ausgabe 2.2013)

Computer? Das kann ich auch! Senioren berichten über ihre Erfahrungen

In der  „Kreuztaler Seniorenpost“ ( 2 / 2012) las ich ein Artikel, der sich mit Senioren und Computern beschäftigte. Ein Bild zeigte eine alte Dame im ICE sitzend, die offensichtlich gebannt auf den Bildschirm ihres Notebooks schaute. Angeregt durch diesen Bericht wollte ich erfahren, wie Senioren zur Computerwelt stehen.
Bild_Seniorenpost

Was bewegt  den Silbersurfer und die Silbersurferin, sich mit diesem Medium zu beschäftigen und wozu wird der Computer hauptsächlich benutzt? Ich legte deshalb fünfzehn Senioren, männlich und weiblich, fünf Fragen mit der Bitte um Beantwortung vor. Sicher können fünfzehn Meinungen nicht repräsentativ sein, doch geben sie aus meiner Sicht einen sehr schönen Querschnitt wieder. Als erstes interessierte es mich natürlich, wie meine Altersgenossen überhaupt zur Computerwelt stehen und ob sie eine Bereicherung in ihrem Leben darstellt oder ob das Gegenteil der Fall ist und sie überhaupt nicht gebraucht wird.

 

 

Wörtlich:

„Wie stehen Sie/ stehst Du zur Computerwelt? Ist es für Sie / für Dich eine Bereicherung oder brauche ich sie nicht?“

Die Antworten vielen überwiegend positiv aus, wie bei diesen Usern <1>:

„Die Computerwelt ist für mich unbedingt eine Bereicherung! Gerade für einen älteren Menschen erleichtert die Teilhabe an verfügbaren Kommunikationsmöglichkeiten die Einbindung in die Gesellschaft. Der Knackpunkt liegt bei verfügbaren.“

„Bereicherung, Erleichterung in allen alltäglichen Dingen, als Nachschlagewerk (Krankheit, Rechtschreibung usw.). Schnelle Möglichkeit zur Verständigung  zum Beispiel mit meinen Kindern.“

Oder kurz und kapp:

„Der Computer ist für mich eine Bereicherung und ich möchte ihn nicht mehr missen.“

Dann gab es einige wenige Äußerungen mit unterschiedlichem Charakter. Zusammenfassend etwa: Die Computerwelt ist gut, aber ich brauche sie nicht unbedingt.

Grundsätzlich positiv. Sie hat die Welt revolutioniert, nicht immer zum Guten, zum Beispiel Facebook <2>. Ich brauche den Computer zum Leben nicht unbedingt, jedoch ist er in vielen Dingen auch hilfreich (Internet c, Auskunft usw.).“

Nur einer der Befragten äußerte sich überwiegend negativ:

„Der Computerwelt stehe ich sehr skeptisch gegenüber. Ich weiß zwar, dass es nicht mehr ohne Computer geht, bekomme aber fast täglich die Gefahren im Zusammenhang mit dem Computer in den Medien aufgezeigt. Ich brauche den Computer noch nicht, weil ich bis jetzt noch alles ohne ihn erledigen kann. Für mich sehe ich die Gefahr, dass ich zu viel Zeit vor dem Computer verbringe.“

Bei meiner zweiten Frage ging es darum zu erfahren, wie sich die erste Konfrontation mit einem Computer für die jetzigen Freunde dieser damals bestimmt noch verhältnismäßig neuen Technik darstellte. Wann geschah das? Wörtlich:

„Wie und wann sind Sie/ bist Du zum ersten Mal mit einem Computer in Berührung gekommen?“

Die Antworten darauf waren so vielfältig wie die Teilnehmer an meiner Befragung und auf höchste interessant und aufschlussreich.

So schrieb die mit 85 Jahren älteste Teilnehmerin:

„Neuem bin ich immer wieder sehr gern aufgeschlossen. Was lag da näher, als bei Besuchen bei meinen Söhnen schon ‚mal gut aufzupassen und selbst auszuprobieren. Obwohl ich außer Schreibmaschinenschreiben keine Voraussetzungen mitbrachte, hatte ich den Mut einfach auch einmal einen mir unbekannten Knopf zu drücken, eben zu versuchen und mich überraschen zu lassen. Und das klappte doch schon ganz gut !

 Ebenfalls durch ihre Söhne fand eine andere Seniorin den Weg zum Computer:

 „Ich bin durch meine Söhne vor ca. 6 Jahren zum Computer gekommen. Das Internet hat mich neugierig gemacht, mein Interesse an vielen Dingen geweckt, ich wollte Bilder speichern und noch etwas für meinen Kopf tun.“

 Offensichtlich mussten oder wollten sich die meisten der männlichen User  zum ersten Mal beruflich mit dieser  Materie beschäftigen, beziehungsweise kamen der Arbeit mit einem Computer sehr nahe.

„Das war etwa ab 1967. Meine beruflich, organisatorische Tätigkeit war in allen Bereichen vom Einsatz des Computers geprägt. Vor dem Hintergrund fehlender Personalressourcen bekam der Einsatz der EDV <elektronische Datenverarbeitung> elementare Bedeutung.“

„Im Beruf. Benutzung des Kommunales-Datenverarbeitungs-Zentrum. Als dann der Schriftverkehr mit Firmen oder Privatleuten über den Computer abgewickelt wurde, habe ich die Benutzung bis zur Rente abgelehnt. Heute bedauere ich diesen Schritt, denn er hätte mir in Zukunft vieles erleichtert.“

 Der oben zitierte Herr mit der negativen Einstellung zur Computerwelt setzte mich dann doch durch seine Antwort in Erstaunen:

 Meine erste Berührung hatte ich 2010 bei einem Computerlehrgang des TV-Kreuztal. Der Lehrgang war sehr gut und hat viel Spaß gemacht. Die Gruppe bestand nur aus mir bekannten Teilnehmern, welches sehr positiv war.

 Wenn man schon beruflich mit Computersystemen zu tun gehabt hat, will man sich dann auch noch in seiner Freizeit oder nach seiner Pension mit diesem ganzen Computerwissen beschäftigen und ihn in die Praxis umsetzen? Will man nicht vielmehr als Rentner seinen wohlverdienten Ruhestand genießen? Solche Überlegungen führten mich zur nächsten Frage:

Was hat Sie/ Dich bewogen, Ihr/ Dein Wissen über diese Materie zu vertiefen?

Bei einigen stand immer noch der Beruf im Vordergrund.

„Es waren die ständigen Herausforderungen in meinem beruflichen Alltag, die mich dazu brachten das Verständnis und das für die Anwendung der ablaufenden Prozesse notwendige Fachwissen zu erwerben.

Bei einem Herrn der Schöpfung war wohl die Ehefrau die treibende Kraft.

Mit Rentenbeginn begann meine Frau sich intensiv mit dem PC <Abk. für Personal Computer> zu beschäftigen. Nach dem Erwerb eines eigenen Laptops <4>wuchs auch bei mir rasch wieder mein Interesse.“

…..und bei den Damen? Zunächst die oben schon erwähnte 85jährige:

„Was andere schaffen, müsste doch auch mir gelingen. Außerdem war die Neugierde so groß mir Dinge über dieses Medium erklären zu lassen ohne erst eine Anzahl von Büchern anzuschaffen.

So bekam ein schwarzes Brett in der Uni / Gesamthochschule einen Zettel mit der Bitte um Hilfe. Studenten sind doch so schlau und haben immer ein kleines oder großes Loch in der Tasche.

Dreimal in der Woche gönnte ich mir diese Lehre und eigentlich ganz schnell wuchs in mir die Bereitschaft mehr über dieses Medium zu erfahren. Das habe ich bis zum heutigen Tag nicht bereut ! ! !“

 Kürzer, aber trotzdem prägnant fiel eine andere Antwort aus:

  „Habe mein Wissen durch meine Kinder, durch Kurse und ein bisschen selbst erworben.

Ich benutze den Computer für`s Internet, um Bilder zu speichern, Mails zu schreiben und über

Skype <Bildtelefon per Internet> Kontakte zu Geschwistern in Afrika zu haben und mal was von den Kindern auf Reisen zu sehen.“

Die für mich sicher interessanteste Frage hatte ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Wenn nun die ersten Hindernisse überwunden waren, einige praktische Erfahrungen gesammelt werden konnten, vielleicht so gar der erste Computer angeschafft wurde – wie aktiv sind dann die heutigen, modernen Senioren an ihren Laptops oder Notebooks? Zu was wird dieses Meisterwerk moderner Technik denn nun verwendet. Konkret:

Wie und wozu benutzen Sie Ihren/ benutzt du Deinen Computer hauptsächlich?

„Die Faszination hält mich bis heute gefangen. Ich beziehe eigentlich bei der Beschäftigung mit allen geistigen Themen den Computer mit ein. Sei es beim Schreiben von Texten, bei Berechnungen, bei der Archivierung von Fotos, Filmen, Erinnerungen. Ebenso bei der Erschließung von Informationen aus den unterschiedlichsten Medien und natürlich bei der Pflege von Kontakten.“

 „Ich benutze meinen Computer um mein Schriftverkehr zu erledigen, als Nachschlagewerk, für Fotoarbeiten, ab und zu zum spielen und um die neuesten Nachrichten (Spiegel, Zeit usw.) abzufragen.“

„In erster Linie ist  für mich der Mailkontakt zu einer interessante Kommunikation wichtig. Wie wunderschön ist es beim Öffnen meines Mac (Computer der Fa. Apple>) Mails zu finden, Antworten auf Fragen zu lesen, aber auch eigene Überlegungen bestätigt zu bekommen. 

 Und wie kann ich nun diese Fragen beantworten?

Mein  Sohn studierte neben Mathematik Informatik an der Uni Dortmund. Klar brauchte er dazu auch einen aufwendigen Computer für daheim. Dieses wohlbehütete Gerät durfte ich dann unter seiner Aufsicht und Anleitung ab und zu mal benutzen.

Das war natürlich auf Dauer keine Lösung und als er dann noch seine erste Studentenbude bezog musste für mich ein Computer her, denn ich hatte durch meine ersten Kontakte mit diesem Wunderding klar erkannt, dass für mich eine weitere Benutzung außer Frage stand.

 Immer mehr wurde mir bewusst, dass mein Wissen mehr als dürftig war und in meinem Computer viel mehr stecken musste als nur Briefchen zu schreiben. Folglich besuchte ich im Laufe der Jahre drei Computerkurse  der VHS <Grundkurs, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, Internet> Auch mein Bücherregal zum Thema wurde immer größer.

 Heute nun, als Ruheständler, ist in meinem Alltag der Computer ein ständiger Begleiter. Da ich  sehr gerne fotografiere steht die Archivierung und die Bildbearbeitung der Aufnahmen an erster Stelle. Im Internet tausche ich mich gedanklich per Mail aus und finde es toll, dass hierbei auch Bilder hin und her geschickt werden können. Klar mache ich auch Internetbanking, kaufe bequem das eine oder andere ein und benutze das Internet als Ersatzzeitung, Nachschlagewerk, Atlas usw. Meine normale Briefpost schreibe ich ebenso mit meinem Computer wie ich auch Gruß-, Glückwunsch-, Feiertagskarten selbst gestalte.

 

Als Schlussfolgerung bleibt festzustellen: Wer einmal in die Computerwelt eingetaucht ist, möchte die Möglichkeiten nicht mehr missen. Staunenden Auges werden immer neue Möglichkeiten und Spielarten entdeckt. Neue Programme installiert – und bei alledem das Wissen erweitert und die grauen Zellen auf Trab gehalten. Die Welt liegt einem zwar nicht zu Füssen, stellt sich aber in ihrer ganzen Vielfalt auf dem Bildschirm eines Computers dar.

Besitzen sie noch keinen Computer, haben aber durch diesen Artikel vielleicht Lust bekommen sich mit diesen Medium zu beschäftigen, dann lassen sie sich nicht aufhalten. NUR MUT! Denken sie an die oben mehrfach genannte 85-jährige Dame.

Wenn Sie schon glücklicher Besitzer eines PC´s sind werden sie wissen, dass es immer mal wieder Problemchen oder gar Probleme gibt. Das bleibt nicht aus, wenn man praktisch täglich neue Möglichkeiten entdeckt und mit einer sich täglich weiter entwickelnden Technik zu tun hat.

Ob nun „Frau oder Herr NochNicht“ oder „Frau EigentlichAber,“ „Herr AlterHase“ oder „Frau Wagemut“ <5>: Wenn theoretische Fragen auftauchen, wenn praktische Probleme einer Lösung bedürfen finden sie im „Kreuztaler Computer-Treff“ einen Ansprechpartner. Jeden Dienstag Nachmittag von 16.00 bis 19.00 Uhr in der Jugendbegegnungsstätte Roonstr. 19.

<www.kct-kreuztal.de> Vielleicht sehen wir uns da und lernen uns persönlich kennen. Ich würde mich freuen.

 

Begriffserklärungen:

1 > Der englische Begriff User (deutsch Anwender, Verwender, Benutzer) ist gebräuchlich für den Benutzer eines Computers, also eine reale Person.

2 > Facebook ist ein soziales Netzwerk.  Der Name bezieht sich auf die sogenannten Facebooks, die Studenten mancher US-amerikanischen Colleges zur Orientierung auf dem Campus erhalten.

3 > Das Internet, kurz das Netz, ist ein weltweites Netzwerk, bestehend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden. Es ermöglicht die Nutzung von  wie E-MailDateiübertragung, WWW  Internetdiensten und in letzter Zeit zunehmend auch Telefonie, Radio . Im Prinzip kann dabei jeder Rechner weltweit mit jedem anderen Rechner verbunden werden.

4 > Laptop Von engl. lap = Schoß und top = oben. Typ eines PCs, der auf dem Schoß gehalten werden kann. Es handelt sich um tragbare Computer , die meist wechselweise mit Batteriebetrieb und mit Netzstrom arbeiten und für den nichtstationären Betrieb verwendet werden.

5 >Software ist ein Sammelbegriff für ausführbare Programme, die zur Lösung bestimmter Aufgaben dienen.

Entnommen aus der empfehlenswerten Broschüre „Wegweiser durch die digitale Welt – Für ältere Bürgerinnen und Bürger.“ Kostenlos oder gegen eine Spende zu beziehen durch:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)
Bonngasse 1 – 53111 Bonn
Tel.: 0228/ 24 99 93-0
E-Mail: wegweiser (at) bagso.de

 

Anmerkung kct-kreuztal.de : Wir bedanken uns an der Stelle bei Gerd Hohage und dem Herausgeber der Kreuztaler Seniorenpost für die freundliche Unterstützung. Danke auch, daß wir diesen sehr interessanten Artikel hier auch noch mal unseren (zukünftigen) Besuchern zeigen dürfen.